Wie bete ich, wenn Angst mir die Kehle zuschnürt?

In Situationen, in denen Angst uns fest im Klammergriff hat, klappt oft gar nichts mehr: kein Beten, Meditieren oder stille werden. Angst ist eines der stärksten Barrieregefühle – also ein Gefühl, das uns innerlich den Kontakt zu uns selbst und zu Gott verbaut und uns den Blick auf Möglichkeiten verstellt. Sinnvolle Worte bleiben uns „im Hals stecken“.

Eine Möglichkeit, um aus der zugeschnürten Angst-Empfindung wieder herauszufinden, beschreibt der amerikanische Pastor und Redner Brian McLaren. Er ist Mitglied der „Center for Action and Contemplation“-Fakultät (USA) und wird von Gründer Richard Rohr mit folgenden Worten zitiert: Ängste können den ganzen Himmel wie ein Wolkenvorhang verdunkeln oder auf unseren Horizont herabsinken wie Nebel. Wenn wir unsere Ängste neu benennen, destillieren wir sie in Bitten. Das, was den ganzen Himmel bedeckt hat, kann jetzt in ein paar Eimern gesammelt werden.“

„Hilfe“ als Gedanken-Anker

Brian McLaren schlägt vor, dass wir in Momenten, in denen uns die Angst übermannt, ganz simpel das Wort „Hilfe“ vor Gott bringen. Es wirkt wie eine innere Fokussierung inmitten der rasenden Gedankenstrudel, eine Art Gedanken-Anker. So kann unser Verstand sich nach einer Weile aus der „Zone der Verzweiflung“ befreien und wir wieder die Verbindung zu Gott aufnehmen, was uns in der akuten Angst unmöglich war. Ab diesem Punkt können wir das allgemeine Wort „Hilfe“ wieder gehen lassen und an seine Stelle spezifischere Worte setzen, damit unsere Angst in konkrete Bitten „kondensiert“: Wir bringen Worte wie „Führung“, „Mut“, „Geduld“, „Hingabe“, „Heilung“ oder „Frieden“ vor Gott, je nachdem wonach wir uns im tiefsten Innersten sehnen.

Im nächsten Schritt bringen wir dann unsere Enttäuschungen vor Gott. Ängste fokussieren darauf, was passieren könnte. Schmerz fokussiert darauf, was passiert ist. Enttäuschung fokussiert darauf, was nicht passiert ist. Dieser Schritt ist laut McLaren wichtig, weil Heilung da beginnt, wo wir unsere tiefsten Gefühle schonungslos offenlegen, anerkennen und benennen. „Das ist vor allem deshalb wichtig, weil viele von uns, wenn wir unsere Enttäuschung nicht vor Gott bringen, Gott die Schuld für unsere Enttäuschung geben, und uns so selbst von unserer besten Hoffnung auf Trost und Stärke entfremden.“ Aus meiner Sicht eine große Gefahr für Christen: Wir trauen uns nicht, von Gott enttäuscht zu sein, gestehen uns die Enttäuschung nicht ein, und behalten aber einen inneren, unbewussten Groll in uns, der uns klein hält.

Nochmal zusammengefasst:

1. „Hilfe“ als akutes Not-Wort zur Fokussierung, wenn uns (oftmals diffuse) Angst überschwemmt

2. Spezifische Bitten (nur einzelne Worte!) aussprechen

3. Enttäuschungen benennen und vor Gott bringen

McLarens Erfahrung damit ist: „Egal ob wir mit Ängsten, Wunden, Enttäuschungen oder anderen Bedürfnissen und Kämpfen zu tun haben: Es liegt eine enorme Kraft in simplen, starken Worten – Worte, durch die wir unseren Schmerz benennen und ihn dann übersetzen in eine Bitte an Gott. ‚Hilfe‘ ist die Tür zu dieser lebendigen Praxis des Bittens, durch die wir über unser eigenes Vermögen und unsere eigenen Ressourcen hinausgehen hin zu denen von Gott.“

Probiert es aus! Wie sind eure Erfahrungen mit dieser simplen Praxis?

Bild: Anemone123 from Pixabay

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