Warum ich Mystikerin bin

Als Kind hatte ich einen unmittelbaren Zugang zum Göttlichen, der keine Worte brauchte.

Wenn ich Blumen pflückte, mein Gesicht im Fell meiner Katzen vergrub, auf dem staubig-geheimnisvollen Dachboden saß oder bedeutungsvolle Träume hatte.

Meine Religion gab mir einen Namen für das, was ich erlebte: „Gott“, „Jesus Christus“, „Heiliger Geist“.

Irgendwann wurden die Begriffe wichtiger als das Erleben. Wie ist „Gott“? Wer ist „Jesus Christus“? Wie wirkt der „Heilige Geist“?

Und dann: Was will Gott von mir? Wie entspreche ich dem, was Jesus getan hat? Was muss ich tun und lassen? Welche Regeln und Gebote gelten? Um was geht es im Glauben? Lebe ich selbst mein Leben? Werde ich geführt? Muss ich hören? Soll ich gehen? Soll ich warten?

Im Studium zerbrach mein Glaube

Ich wollte wissen und erkennen – bis auf den tiefsten Grund. Ich studierte die Bibel und den Glauben. Erst persönlich und dann im Theologiestudium.

Das Studium half. Aber anders als gedacht. Es zertrümmerte mein Glaubensgerüst. Alles, was andere und ich mir selbst an Glaubensinhalten zusammengebaut hatten, zerfiel. Nichts war beweisbar. Alles konnte auch anders sein. Nicht ein Staubkorn blieb übrig.

Und endlich, endlich konnte wieder etwas anderes wachsen: mein innerer Zugang zum Göttlichen. Einer, der sich nicht von Dogmen abhängig macht und von theologischen Modelle und von „richtig oder falsch“ und von Abgrenzung und vom „dagegen“ und von Experten.

Der Weg der inneren Erfahrung

Es ist der Weg der inneren Erfahrung. Er klammert sich nicht an ein Buch, sondern macht sich nackt und schutzlos. Es ist der Weg, einfach präsent zu sein für das, was ist. Neugierig wahrzunehmen und still zu werden. Lauschen statt reden. Erfahren statt erklären. Es ist der Weg der Mystik: die innere Gottsuche. Auf diesen Weg führt uns nicht die institutionelle Religion. Sondern allein unsere Sehnsucht und die Bereitschaft, Altes und Festes hinter sich zu lassen und der eigenen Stimme neu vertrauen zu lernen.

Wie zeigt sich Gott oder das Göttliche für DICH?

Bild: susannp4/Pixabay

2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Christian Schmill
    18. Februar 2022 12:26

    Ich hab ja eine ähnliche Biografie und mittlerweile fällt mir immer wieder auf, wie schön und wertvoll auch vieles in meinem „früheren Leben“ gewesen ist. Wir müssen erst einmal ein Ego entwickeln, um in dieser Welt zurechtzukommen und um über diese Ego-Strukturen dann hinauswachsen zu können. Wie bei Sprossen auf einer Leiter. Wir brauchen vertrauenswürdige, funktionierende und belastbare Strukturen, um zu lernen und zu reifen und ein Bewusstsein für „Geist“ (gestaltlos/strukturlos) zu entwickeln. Besonders in der katholischen Frömmigkeit entdecke ich zurzeit viele Dinge (Marienfrömmigkeit, Bilder, Weihrauch, Klöster …), die für Menschen wie die Sprossen an einer Leiter sein können.

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